Hintergrundinformationen zum Strompreis

Bei den meisten Produkten entsteht ihr Preis aus den Kosten der Herstellung, des Vertriebs und dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage. In Deutschland machen diese Kosten beim Strompreis für Privathaushalte jedoch nur rund 25% aus. Rund 75% entfallen auf die Nutzung, Instandhaltung und den Aufbau der Netze sowie eine Vielzahl staatlicher Abgaben und Steuern. Energieversorgungsunternehmen wie z.B. Stadtwerke haben deshalb nur einen geringen Einfluss auf den Strompreis für ihre Kunden.

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Aktuell kommt es am Markt zu ungewöhnlichen Preissteigerungen sowie Turbulenzen durch Anbieter, die in Insolvenz geraten. Wir beantworten dazu die wichtigsten Fragen:

Warum steigen aktuell die Strompreise?

Strom wird gehandelt. Seit August 2021 findet an den Strombörsen eine Preisrallye statt. Kostete die Megawattstunde Strom im Dezember 2020 rund 43 Euro, waren es Ende 2021 rund 240 Euro! Hauptpreistreiber ist der angespannte Gasmarkt. Die Nachfrage nach Gas als Rohstoff zur Stromerzeugung steigt, die Speicher leeren sich und Lieferungen aus dem Ausland sind derzeit gering. Hinzu kommen Mehrkosten durch die CO2-Bepreisung.

Wie beeinflusst CO2 den Strompreis?

Wer zur Stromgewinnung fossile Energieträger wie Kohle oder Gas verbrennt, muss an der Börse Verschmutzungsrechte erwerben, die so genannten CO2-Emissionszertifikate. Ein Zertifikat berechtigt zum Ausstoß einer Tonne CO2. Der Emissionshandel reagiert auf steigende Nachfrage mit höheren Preisen. Da 2021 ein relativ windarmes Jahr war, mussten Kohle- und Gaskraftwerke einspringen, um die Stromlücke zu schließen, was den Preis der Emissionszertifikate steigen ließ – von 31 € pro Tonne im Januar auf 78 € pro Tonne im Dezember 2021. Die Mehrkosten fließen in den Strompreis ein.

Warum gibt es unterschiedliche Strompreise am Markt?

Neben regional unterschiedlichen Netzentgelten beeinflusst auch die Art der Strombeschaffung den Preis. Sie erfolgt entweder über längerfristige Verträge mit Vorlieferanten, die als Großhändler Nachfrageschwankungen ausgleichen können. Hier sichert eine seriöse Prognose des Endkundenabsatzes für das zu beschaffende Lieferjahr und die vorausschauende Beschaffung die Preisstabilität. Oder die Strombeschaffung erfolgt kurzfristig über direkte Order beim Stromhandel zum tagesaktuellen Preis, wie es die Strategie der Stromdiscounter ist.

Warum gehen derzeit viele Stromdiscounter pleite?

Energiediscounter gewinnen Ihre Kunden meist durch Vergleichsportale. Sie müssen ihre Tarife so niedrig gestalten, dass diese möglichst weit oben gelistet werden. Deshalb kaufen sie Strom tendenziell kurzfristig ein, anstatt auf langfristige Lieferverträge zu setzen. Rentabel kann diese riskante Preispolitik nur sein, solange das Preisniveau an den Börsen niedrig bleibt. Bei einer länger anhaltenden Phase hoher Marktpreise können Discounter ihr vertraglich vereinbartes Billig-Preisversprechen nicht mehr halten, sie gehen insolvent bzw. stellen die Stromlieferung ein.

Was passiert mit Kunden, deren Anbieter die Stromlieferung einstellt?

Der Netzbetreiber informiert betroffene Kunden darüber, dass sie jetzt vom Grundversorger (meistens den lokalen Stadtwerken) beliefert werden. Für diese so genannte Ersatzversorgung gibt es beim Grundversorger den festgelegten Tarif der Grund- und Ersatzversorgung. Mit einer Frist von zwei Wochen kann dieser neu zustande gekommene Vertrag gekündigt werden bzw. vom Kunden ein anderer Tarif gewählt werden.

Warum sind die Preise für die Ersatzversorgung gestiegen?

Durch die aktuelle Pleitewelle der Stromdiscounter müssen die Grundversorger deren Kunden übernehmen und für sie Strom kurzfristig zu den aktuell hohen Marktpreisen zukaufen. Diese erhöhten Einkaufskonditionen schlagen bei den neuen Tarifen der Grund- und Ersatzversorgung für die Neukunden zu Buche.

Stadtwerke und Vergleichsportale

Die üblichen Portale im Internet zum Vergleichen der Strom- und Gastarife agieren nicht vollkommen neutral. Die Plattformanbieter erhalten pro vermittelten Vertrag eine Provision der Energieversorger. Deshalb erscheinen nach Eingabe von Postleitzahl und Verbrauch bei fast allen Portalen zunächst nur die Angebote, bei deren Vermittlung eine Provision fließt. Viele Stadtwerke vertreiben ihre Tarife daher nicht über Vergleichsportale. Manche Portale zeigen lokale Stadtwerke Tarife und Preise nur an, wenn man die Voreinstellungen bzw. Filter entsprechend ändert.